Good cops, bad cops.


Der heutige Blogbeitrag widmet sich primär der kasachischen Polizei. Die meisten Begegnungen verliefen bislang erfreulich. Gleich am Anfang sind wir in die beliebte Falle „tags ohne Licht gefahren“ getappt. Der Beamte machte uns das grinsend klar, indem er durchs offene Fahrerfenster griff und den Lichtschalter drehte. Dann die Frage: „Protokoll? No protokoll?“ Natürlich no protokoll. Was können wir ihm anbieten? Hoppels Leatherman-Werkzeug hat es ihm angetan, aber das kriegt er nicht. An Schnaps und Zigaretten zeigt er kein Interesse. Plötzlich sieht er das kaputte Radkreuz – und nimmt es freudestrahlend. Wie gut, wenn man nichts wegwirft…
Als wir abends in einem lichten Waldhain an der Straße unser Nachtlager aufschlagen wollen, dauert es nicht lange, und ein Lada mit drei Polizisten fährt vor. Wir begrüßen uns herzlich und stellen uns mit Handschlag vor. Die Herren nehmen an unserem Campingtisch Platz und bekommen erstmal eine Zigarette. Es entwickelt sich ein angeregter Plausch, wir tauschen Familienfotos aus und erklären den Zweck unserer Reise. Englisch, wohlgemerkt, verstehen die drei nicht. Mit Hilfe einer Frau, die sie anrufen und die etwas Englisch spricht, vermitteln sie uns allmählich, dass es keine so gute Idee sei, hier zu campieren: Im Fall eines Gewitters kämen wir nicht mehr aus dem Schlamm. Ein Hotel im nächsten Ort (40 km) wäre wohl die bessere Wahl. Nach einstündiger, heiterer Konversation und Foto-Session dann die obligatorische Frage nach Souvenirs. Unsere Lesebrillen und Schirmmützen haben es ihnen angetan – dank der Booze Brothers haben die drei Dorfgendarmen von Orlik künftig den vollen Durchblick.

Die weiteren Begegnungen ließen sich mit „Souvenirs“ nicht mehr retten. Auf freier Strecke kommt uns ein Polizei-Skoda entgegen, wendet und rast uns mit Blaulicht und Sirene nach. „Why do you violate traffic restrictions?“, fragt der Herr mit dem breitkrempigen Hut streng und in passablem Englisch. Blöd stellen hilft hier also nicht weiter. In seinem mit einer Armada an Kameras ausgerüsteten Auto zeigt er mir den Vorwurf: Don Vito von vorne fotografiert, 101 km/h sind eingeblendet. 90 sind in Kasachstan erlaubt – und schneller kann man ohnehin in den seltensten Fällen fahren, mit Rücksicht auf Fahrwerk und Bandscheiben.
„Are we friends“, fragt der Cop, und auf die positive Antwort: „Protokoll? No Protokoll?“ Natürlich no protokoll. Aber was dann? An Schnaps ist auch er nicht interessiert – er will Bares. Mit zehn Dollar gibt er sich zufrieden. Tags darauf erwischt es Hoppel mit 95 in einer 70er-Zone. Seine Reiseschatulle wird ebenso empfindlich geschröpft wie wenig später meine, weil ich nach dem Tanken ohne Licht losfuhr. Jeweils ohne Protokoll und mit US-Greenbacks, logisch.

Schade eigentlich. Bei 40 Cent pro Liter Diesel könnte Kasachstan so ein billiges Urlaubsziel sein…

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