Kirgisische Kaltgetränke

Hiermit kann ich offiziell bestätigen: Vergorene Stutenmilch schmeckt scheiße. Sehr, sehr scheiße sogar. Sie ist so widerlich, dass mir die Worte fehlen, diesen Geschmack zu beschreiben. Sauer mit fiesem Abgang. Mal grob gesagt.

Neulich hatte ich zum Frühstück drei große Schalen davon. Auf nüchternen Magen.

Nachdem wir Usbekistan durchmessen hatten – ein Land, das wie Georgien Lust macht auf einen ausführlichen Besuch – passierten wir bei Osch problemlos in einer Stunde die Grenze, ohne nennenswerte Kontrolle. Die netten, humorvollen Zöllner behandelten uns als Touristen bevorzugt und schleusten uns an den Schlangen der Einheimischen vorbei.

Eine gute Stunde hinter Osch erwarteten uns die Teams Hatobar und Laserkatzen zur Reunion. Mit Leuchtzeichen lotsten sie uns – es war schon dunkel – auf einen Hügel, wo sie auf einer Kuhweide das Nachtlager aufgeschlagen hatten. Wir feierten unter sternenklarem Himmel das Wiedersehen. Gemeinsam wollen wir nun mit vier Autos (Don Vito und drei VW Passat) den Pamir bestreiten.

Früh dann ein traumhafter Sonnenaufgang, umgeben von weidenden Kühen, Pferden und Schafen. Auf der Fotopirsch treffe ich einen Bauern, der mich umgehend zu sich nach Hause lotst. Ich werde in die kombinierte Wohn- und Schlafstube gebeten, kauere mich an den flachen Tisch auf einer Art teppichbedeckter Empore. Seine Frau kredenzt Stutenmilch, er schenkt unablässig nach. Das Süßgebäck, das man mir dazu reicht, rettet mir vermutlich das Leben.

Auf dem Rückweg zum Feldlager treffe ich die Nachbarin des Bauern, die sich gerade auf den Weg macht zu unserer Wagenburg – mit Brot und einem Topf Stutenmilch, vergoren. So kommen also auch die acht anderen in diesen Genuss. Die junge Frau hat aber auch etwas ziemlich Schmackhaftes dabei: eine Art Creme Fraiche, auch vom Pferd, vermutlich.

Überwältigt von soviel kirgisischer Gastfreundschaft starten wir Richtung Grenze zu Tadschikistan – die letzte auf dieser Reise. Am Karakulsee wollen wir Quartier machen.

Kirgistan begleitet uns mit atemberaubend schöner Landschaft zur Grenze. Es geht durch wunderschöne Täler, vorbei an spektakulären Felsformationen – und dutzende Male quer durch Schafherden, die die volle Fahrbahnbreite in Anspruch nehmen. In den Dörfern winken uns Kinder und Erwachsene euphorisch zu.

Je höher wir kommen, desto schlechter werden die Straßen. Im vertrauten Schlaglochslalom schlängeln wir uns den ersten Pass hoch auf 3588 Meter – ein Vorgeschmack auf den Kyzyl-Art, der uns mit knapp 4300 Metern erwartet. Zuvor aber passieren wir den kirgisischen Grenzposten. Die Zöllner sind vergnügt und erledigen den Papierkram routiniert, haben aber einen kurzen Schreckmoment für uns parat: Spritkanister dürfen wir nicht ausführen. Bitte was? Jeder hatte uns geraten, soviel Saft wie möglich mitzunehmen, da wir ca. 1000 km nichts mehr bekommen würden. Wie sollten wir ohne reichlich Reserve über den Pamir kommen? Das überzeugt nach kurzer Debatte auch den Grenzer, und er lässt uns die 100 Liter Diesel auf dem Dach.

Tajik (1719)

 

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